Aktivitäten


Reise des Förderkreises nach Bayreuth vom 19. bis 21. Juli 2016

Auch diese Fahrt lief unter dem Titel „Auf den Spuren von Richard Strauss”. Die Vorsitzende, Frau Regina Geißer, hatte die Reise wiederum hervorragend vorbereitet. Leider konnte sie aber überraschend persönlich nicht teilnehmen und die Reiseleitung musste kurzfristig von Helmut Riesch und Klaus Ulbrich übernommen werden.

Die Fahrt ging von Garmisch-Partenkirchen über München nach Bayreuth. Auf der Busfahrt, als die Autobahn bei Berching den Regierungsbezirk Oberpfalz tangierte, wies Prof. Ulbrich auf „Spuren” zu Richard Strauss hin:

1714 wurde in Erasberg bei Berching/Oberpfalz Christoph Willibald Gluck geboren. Wagner, wie auch Strauss, Mozart und Beethoven sahen in seiner Musik und Theorie den Beginn der modernen Bühnenmusik.

Ein weiterer Komponist aus der Oberpfalz, Max Reger, wurde in Weiden geboren. Nach einem Besuch der Bayreuther Festspiele beschloss er „Musiker” zu werden. Es gibt 14 Gedichte, die sowohl Strauss als auch Reger vertonten, in der Regel zuerst Richard Strauss, dann Reger. An ihnen kann man die musikalische Moderne um 1900 und die ästhetischen Positionen der beiden großen Künstler studieren.

Auch Franz Strauss, Vater von Richard Strauss, war ein Oberpfälzer. Geboren 1822 in Parkstein, in Nabburg aufgewachsen, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls zu erwähnen. Auch er war ein begnadeter Musiker: mit 15 Jahren spielte er in der Privatkapelle von Herzog Max in Bayern, mit 25 Jahren kam er zum Hofopernorchester in München, schließlich wurde er „Hofmusiker”, später war er auch Lehrer für Waldhorn und schließlich Professor an der Königlichen Musikschule in München. Trotz seiner Abneigung gegen Wagner wurden ihm von diesem - der von dieser wusste - die Waldhorn-Partien bei den Uraufführungen des Tristan und der Meistersinger übertragen. Schließlich verdankt Richard seinem Vater seine hervorragende musikalische Förderung.

In Bayreuth wurde zunächst die „Rollwenzelei” aufgesucht. Ein Ort, den auch Richard Strauss besuchte. Hier lebte der Dichter Jean Paul. Ehrfürchtig wurde die bescheidene Schlaf- und Arbeitsstube dieses großen Dichters, der zwischen Klassik und deutscher Romantik seinen Platz findet, besichtigt und die Unterschrift von Richard Strauss im Gästebuch gesucht und auch gefunden.

Die Rollwenzelei, u. a. Lebensmittelpunkt des Dichters Jean Paul

1194 wird „die Rollwenzelei” erstmals erwähnt. Der Name kommt von der Familie Rollwenzel, die das Haus 1802 kaufte. Es hat bewegte Zeiten hinter sich und wurde wiederholt umgebaut. Als Besucher spürte man respektvoll eine Aura, die nicht ganz zu deuten ist.

Das nächste Ziel war die Eremitage. Sicher einst ein Ausflugsort für Richard Strauss während seiner wiederholten Aufenthalte und Tätigkeiten in Bayreuth. War es bei der vorjährigen Fahrt der Park, der im Mittelpunkt der Besichtigung stand, war es diesmal das Alte Schloss mit seinem interessanten Inneren, insbesondere den Wasserspielen. Die Markgräfin Wilhelmine hatte hier mit starker Hand und großem künstlerischen Geschmack gewirkt. Die Parkgestaltung rückt weit ab von der barocken Gartenbautradition, die Landschaft beeinflusst die Parkgestaltung, bzw. wird stark einbezogen.

Es war ein sonnendurchfluteter Reisetag. Die Teilnehmer waren schließlich froh, nach diesen Kunsterlebnissen, den Tag im Traditionsrestaurant „Oskar” gemütlich ausklingen lassen zu können.

Der nächste Tag brachte einen ersten Höhepunkt mit der Besichtigung des endlich, nach langer Renovierung, eröffneten „Richard Wagner Museum Bayreuth”, auch kurz „RWM” genannt. Es besteht aus den Bau-Komplexen „Haus Wahnfried”, „Siegfried-Wagner-Haus” und einem „Neubau”. Im Untergeschoss sind weitere interessante Räumlichkeiten.

Auf dem Bild sind die drei Komplexe des Richard-Wagner-Museums gut zu erkennen: links der Neubau, mittig: Haus Wahnfried, rechts: Siegfried-Wagner-Haus

Dr. Sven Friedrich, der „Hausherr”, ließ es sich nicht nehmen, die Reisegruppe des Förderkreises zu begrüßen und persönlich durch die Museumsgebäude zu führen. Der Neubau enthält einen Museumsshop, eine Wechsel-Ausstellungshalle und im Untergeschoss eine Dauerausstellung zur Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele, wie historische Bühnenbildmodelle und besondere Kostüme. Schließlich gibt es noch ein Kino mit wechselnden Filmen.

Im Haus Wahnfried, das im Krieg erheblich gelitten hatte, erlebt man einen authentischen Lebensraum von Richard Wagner und seiner Familie. Im Zwischengeschoss werden in Wechselausstellungen Dokumente zu Wagner und „Bayreuth” präsentiert. Im Untergeschoss kann man die Arbeitsweise Wagners nachvollziehen.

Das Haus „Siegfried” bewohnte die Familie Wagner bis 1980. Im Erdgeschoss kann man die Originalausstattung aus den 1930er Jahren besichtigen. Die Beziehungen des Hauses Wagner zum NS-Regime wurden bei der Neukonzeption bewusst nicht ausgeklammert.

Überwältigt von den Eindrücken verließ die Gruppe das RWM, fest entschlossen, es bei Gelegenheit nochmals zu besuchen, was die meisten auch umsetzten. Nachmittags fuhr die Gruppe endlich auf den „Grünen Hügel”. Diesmal stand die Generalprobe zu „Siegfried” auf dem Programm. Der Sommer meinte es gut, die Sonne schien in voller Pracht und Hitze. Die Anfahrt war spannend. Wegen „Terror-Gefahr” hatte man besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Ein Teilnehmer hatte sogar seinen Ausweis vergessen! Auch das konnte gemeistert werden und schließlich verlief alles gut.

Der Inszenierung von Frank Castorf ging eine gewisse Unruhe voraus, die Kritiken aus dem Vorjahr enthielten viele Unklarheiten. Alles war sehr gespannt. Das Vorspiel, wie auch die ganze Oper meisterte Marek Janowski am Pult hervorragend. (Janowski hat eine bemerkenswerte Vita aufzuweisen. Seine Gesamteinspielung von Wagners „Ring” mit der Staatskapelle Dresden wird als eine der musikalisch interessantesten angesehen. Er war u.a. regelmäßig Gastdirigent an der Metropolitan Opera New York, an der Staatsoper Wien. Zuletzt hatte Janowski mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin die in Berlin gespielten Wagner Opern konzertant einstudiert und aufgeführt.)

Als sich der Vorhang hob, erblickte man den Felsen von „Mount Rushmore”, aber statt der US-Präsidenten erblickte man überdimensional, in Stein gemeißelt: Marx, Lenin, Stalin und Mao. Die überdimensionale Drehbühne (ein Unikum für Bayreuth) sorgte immer wieder für Überraschungen (Bühnenbild: Aleksandar Denec) ebenso die gesamte lebhafte Inszenierung von Frank Castorf (Volksbühne Berlin). Dazu kamen viele Filmeinblendungen, so dass für das Publikum die Ablenkung oft so stark war, dass man sich immer wieder auf Musik, Gesang und Handlung bewußt konzentrieren musste. Sehr gut wurden die Sänger empfunden: Stefan Vinke (Siegfried), Catherine Foster (Brünnhilde), John Lundgren (Wanderer). Einige Kuriosa: Das Waldvögelein (Ana Durlovski, stimmlich hervorragend) trat im „Sambakostüm” auf, hatte auf riesigen „high heels” zu balancieren und trug meterlange Federn. Sie meisterte den Auftritt elegant, fast reif für den „Friedrichstadtpalast”.

Die Verlegung der Handlung auf den „Nachkriegs-Alexanderplatz” in Berlin mit den 1945 aus dem Zoo ausgebrochenen Krokodilen, die sich damals in der Kanalisation verirrten, und viele andere Anspielungen der Regie, bewirkten Unruhe und Unverständnis beim Publikum und unserer Reisegesellschaft. Auch nach der Generalprobe gab es zaghafte Buh-Rufe. Trotzdem: Auch Wagner fühlte sich oft als Dramatiker und Revolutionär. Dr. Friedrich hatte in seiner exklusiven Einführung auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht. Zum Nachdenken und Nachempfinden wurden viele Besucher dieser Inszenierung durchaus angeregt.

Nach der Vorstellung gab es denn auch auf der Terrasse des „Bürgerreuth”, beim geselligen „Nachtessen”, heftige Diskussionen über die herausfordernde Inszenierung von Castorf.

Bei der Heimfahrt waren sich alle Teilnehmer einig: „Wieder eine eindrucksvolle, erlebnisreiche Fahrt „Auf den Spuren von Richard Strauss”. Die meisten Teilnehmer fragten: Wo geht es nächstes Jahr hin? Die Reiseleitung musste die Frage offen lassen.

Prof. Klaus Ulbrich


Reise des Förderkreises nach Bayreuth vom 17. bis 19. Juli 2015

Die Fahrten zu Wirkungsstätten von Richard Strauss unter dem Motto „auf den Spuren von Richard Strauss” gehören seit Amtsantritt der Vorsitzenden, Regina Geißer, zu unseren beliebten Angeboten für Mitglieder und führten bereits mehrmals nach Wien, nach Dresden, nach Meiningen und Weimar sowie nach Montreux.

Im Sommer 2015 führte 38 seiner Mitglieder der Weg nach Bayreuth. Strauss hat die Bayreuther Festspiele oft aufgesucht.

Schon 1882 erlebte er im Jahr der Uraufführung den „Parsifal” unter Leitung von Hermann Levi, 1886 nochmals, ergänzt durch „Tristan und Isolde”, dirigiert von Felix Mottl. 1888 kam er nach Bayreuth zu den „Meistersingern” unter Karl Richter und wieder zu „Parsifal”, diesmal von Mottl geleitet. Bereits im Jahr darauf, 1889, wurde er vom Zuhörer zum Mitwirkenden: als musikalischer Assistent Felix Mottls beim „Tristan”. 1891 betreute er in gleicher Funktion die Bayreuther Neuinszenierung des „Tannhäuser”, 1894 dirigierte er sie. Verschiedene Dissense führten zum Bruch mit Cosima Wagner und ihrem Umkreis, der viele Jahre vorhielt. Erst als 1933 der designierte „Parsifal”-Dirigent Toscanini aus politischen Gründen von den Bayreuther Festspielen absprang, wendete sich Siegfried Wagner an Richard Strauss mit der Bitte, zu übernehmen. Er tat es und dirigierte 1933 seinen ersten Bayreuther „Parsifal”, und, nun schon 70 Jahre alt, nochmals 1934, zum letzten Mal. 1949 wurde er anlässlich seines 85. Geburtstags Ehrenbürger der Stadt Bayreuth. Straussens Wege und „Ausflugs-Ziele” in und um Bayreuth suchte auch der Förderkreis auf.

Durch den Park der Eremitage mit seinen Wasserspielen, den Park von Sanspareil und durch die Altstadt Bayreuths führte Dr. Schatz, der zu seiner großen Überraschung und Freude auch im Bayreuther Festspielhaus selbst führen durfte.

Mit Blick auf den „mysthischen Abgrund”, dem weltberühmten Orchestergraben des Festspielhauses, stand man am wahrlich authentischen Ort großer Musik.

Am ersten Abend gab es eine Konzertsoirée von Schülern des Musischen Gymnasiums Bayreuth und einen Vortrag über „Kultur in Bayreuth” von Dr. Clemens Lukas im Saal von Schloss Birken, ein komplett erhaltenes und wohlrestauriertes markgräfliches Ministerhaus aus dem 18. Jahrhundert.

Das Abendessen fand im historischen Speisesaal des „Goldenen Anker” in Bayreuth statt, in dessen Gästebuch sich auch Richard Strauss einst eingetragen hatte.

Der zweite Tag war dem Hauptereignis gewidmet: nach einer Regieeinführung durch Dr. Sven Friedrich, Direktor des Richard-Wagner-Museums Haus Wahnfried, in der Silver-Lounge des Festspielhauses schritt man zur Generalprobe der „Walküre”, mit umstrittenem Regisseur (Frank Castorf), gefeiertem Dirigenten (Kirill Petrenko) und Weltklassebesetzung (z. B. Johan Botha als Siegmund).

Den Ausklang bildete ein Abendessen auf der Terrasse der Bürgerreuth, dem Restaurant (und Hotel) oberhalb des Festspielhauses, das nicht nur Wagner häufig besucht hatte, sondern auch Richard Strauss. Der dritte Tag führte in die idyllisch-pittoreske Fränkische Schweiz, die Strauss als begeisterter Automobilist gewiss „er-fahren” hat.

Dr. Uwe Schatz; Regina Geißer






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Bild mit Scherenschnitt von Richard Strauss